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Cabo Verde geologisch Fogo - der aktive Vulkan Vulkanausbruch 1995

 

Fogo – der Leuchtturm der Seefahrer

Geologische Bemerkungen zu einem aktiven Vulkan

 


Übersichtskarte von Fogo mit historischen Lavaströmen - verändert nach Smithsonian's Global Volcanism Program

Die Insel Fogo ist der einzige aktive Vulkan von Cabo Verde. Der massive Schichtvulkan (Stratovulkan) misst ca. 25 Kilometer im Durchmesser. Sein ursprünglicher Gipfel fehlt. Statt dessen öffnet sich asymmetrisch im Osten der Insel ein acht bis neun Kilometer breiter Einbruchskessel. Aus der vulkanischen Hochebene von Cha das Caldeiras wächst der "neue" Vulkan empor, der Pico. Mit 2829 m ist er der höchste Berg der Kapverdischen Inseln und gleichzeitig der zweithöchste Vulkan im Atlantik.

Auf seinem Gipfel befindet sich ein 500 Meter weiter und 150 Meter tiefer Krater. In der Zeit zwischen der Entdeckung der Inseln durch portugiesische Seefahrer um 1500 bis ins Jahr 1760 war dieser Krater fast kontinuierlich aktiv und diente als natürlicher Leuchtturm. Nach 1760 änderte der Vulkan seinen Charakter, und die Gipfeleruptionen wurden von Flankenausbrüchen abgelöst. Im Norden, Westen und Süden ist Cha das Caldeiras von einer etwa 1000 Steilwand, der Bordeira begrenzt. Sie entstand, als der alte Vulkan, der Monte Amarelu kollabierte.

 
Das spanische Wort "Caldera" (dt. Kessel) ist in das geologische Fachvokabular eingegangen und bezeichnet einen vulkanischen Einbruchskessel. Eine Caldera entsteht, wenn nach einem heftigen Ausbruch die nunmehr entleerte Magmenkammer das Gewicht des drüber liegenden Vulkangebäudes nicht mehr tragen kann. Ein senkrechter Kollaps ist die Folge, und der Vulkan stürzt in seine eigene Magmenkammer.

Auf den Einbruchskessel von Fogo ist dieses Modell nicht anwendbar. Das Volumen des heute fehlenden Gipfel des Monte Amarelu lässt sich berechnen. Wäre er in seine Magmenkammer gestürzt, so hätte diese etwa gleich gross sein müssen, um all die Gesteinsmassen aufnehmen zu können. Zuvor aber hätte ein gewaltiger Ausbruch stattfinden müssen, um die Magmenkammer zu entleeren. Zweifellos hätte dieser Ausbruch auch auf den benachbarten Inseln seine Spuren in Form einer mehrere Meter dicken Aschenschicht hinterlassen. Aber genau diese Ablagerungen fehlen! Die Caldeira von Fogo muss anders entstanden sein.

Ende der 1990er-Jahre ging ein internationales Vulkanologenteam dieser Frage nach. Die Insel wurde minutiös kartiert, und alle Auffälligkeiten wurden notiert. Besonderes Augenmerk galt Steilküsten mit vorgelagerten alten Strandterrassen, die von Lava bedeckt sind und so konserviert wurden. Obwohl diese im Nordosten bei Mosteiros und im Südosten unterhalb von Cova Figuera deutlich entwickelt sind, fehlen sie im Osten unterhalb von Caldeira und Pico und sind dort von einer deutlichen Geländestufe abgeschnitten. Neben anderen morphologischen Eigenheiten wertet das Team um Simon Day dies als Hinweis, dass der Gipfel des Monte Amarelu seitlich ins Meer gestürzt ist. Wir verwenden daher das portugiesische Wort "Caldeira", um den seitlichen Kollaps von Fogo von einem vertikalen Einbruchskessel (Caldera s.str.) zu unterscheiden.

Die Vulkanologen gingen nun einen Schritt weiter. Der Kollaps hatte ehemalige Förderschlote und -spalten freigelegt, und durch eine genaue Kartierung und Vermessung konnten diese in eine relative zeitliche Abfolge gebracht werden. Dabei zeigte sich, dass der Monte Amarelu vor dem Kollaps sein Ausbruchsmuster änderte. Gipfeleruptionen hatten zum Aufbau des Vulkankegels geführt. Doch "kurz" vor dem Zusammenbruch wurden diese von Flankeneruptionen abgelöst. Mit Lava gefüllte Dehnungsspalten zeigen, dass der Gipfel des Monte Amarelu schon mehrere Eruptionen vor dem Kollaps instabil war und sich bei jedem Ausbruch – wenn auch nur wenige Zentimeter – in Richtung Meer bewegte.

Genau das gleiche Muster kann nun bei den historischen Ausbrüchen beobachtet werden: Seit 1760 finden keine Gipfeleruptionen mehr statt! Die letzten Ausbrüche von 1951 und 1995 ereigneten sich innerhalb der Caldeira. Auch die zugehörigen Dehnungsspalten konnten nachgewiesen werden. Durch seine asymmetrische Lage auf der Ostseite der Insel und seine steilen Flanken ist der Pico geradezu prädestiniert, einst wie sein Vorgänger ins Meer zu stürzen. Ein Tsunami wäre die Folge, der auch die Küstenorte auf den anderen Inseln ausradieren könnte. Wann es soweit sein wird, weiss niemand. Vielleicht kann schon der nächste Ausbruch die Katastrophe bringen, vielleicht bleiben noch ein paar tausend Jahre Zeit. Um rechtzeitig zu warnen, ist die Caldeira von einem Netz von Vermessungspunkten überzogen, und Messgeräte registrieren die kleinste Bewegung im Untergrund.

 

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